
Gründung (1983): „Ein eigener Raum“ für Migrantinnen
Der Verein wurde 1983 von Lehrerinnen und Sozialpädagoginnen der benachbarten Refik-Veseli-Schule (Skalitzer Straße in Kreuzberg) gegründet. Die Initialidee war es, Frauen und Mädchen aus der Türkei einen geschützten, vertrauensvollen Raum zu bieten – einen Ort der Begegnung, Beratung, Unterstützung und Bildung. Besonders in den 1980er Jahren lebten viele Frauen aus der Türkei isoliert in Kreuzberg. Ein Treffpunkt, bei dem Frauen bei Handarbeit zusammenkommen konnten, wodurch auch der Name „Elişi Evi“ entstand, denn „Elişi“ bedeutet auf Türkisch „Handarbeit“.
Somit konnten neue Möglichkeiten der Teilhabe, des gemeinsamen Lernens und der sozialen Vernetzung geboten werden.
Durch die Weiterentwicklung des Vereins können heute Frauen aus der ganzen Welt unsere Angebote in Anspruch nehmen.
Entwicklung der Angebote: Beratung, Bildung und Integration
Nach der Gründung entwickelte sich Elişi Evi schrittweise zu einer institutionellen Beratungs- und Bildungsstelle für Mädchen und Frauen aus verschiedensten Herkunftsländern. Die Angebote reichen heute über Sprach- und Integrationskurse (mit Kinderbetreuung) hinaus zu psychosozialer Beratung, Schularbeitshilfe, Berufsorientierung, Workshops und Veranstaltungen. Integration, Gleichstellung und Empowerment stehen im Mittelpunkt.
Vernetzung und Kooperationen
Ab den 1990er Jahren intensivierte Elişi Evi ihre Zusammenarbeit mit anderen zivilgesellschaftlichen Akteur*innen in Berlin. Ein besonders wichtiger Meilenstein war die Mitgründung des Nachbarschaftshauses Centrum im Sommer 1998 gemeinsam mit Projekten wie Meslek Evi, Yekmal e.V. und Otur ve Yasa – Wohnen und Leben e.V. – ein generations-, kultur- und geschlechterübergreifender Treffpunkt im Wrangelkiez. Diese Zusammenarbeit stärkte die Präsenz des Vereins im Stadtteil und erweiterte die Angebote für Frauen, Jugendliche und Familien mit Migrationsbiografien.
Institutionalisierung und Förderstrukturen
Mit der Zeit wurde Elişi Evi e.V. zunehmend in die reguläre soziale und migrationspolitische Infrastruktur Berlins eingebettet. Der Verein ist:
- Mitglied im Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband, einem großen Dachverband sozialer Organisationen.
- Gefördert durch die Berliner Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung.
- Träger von Integrationskursen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF).
- Träger von Kursen zu ‚Integrationskurs mit Kind Plus: Perspektive durch Qualifizierung‘ im Rahmen des ESF Plus-Programms ‚Integrationskurs mit Kind Plus: Perspektive durch Qualifizierung‘ durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend in Kooperation mit dem Bundesministerium des Innern und durch die Europäische Union über den Europäischen Sozialfonds Plus (ESF Plus) gefördert.
Diese institutionellen Verbindungen sichern die bürgergesellschaftliche Arbeit und ermöglichen langfristige Projekte und Beratungs- sowie Bildungsprogramme.
Thematische Weiterentwicklung
Im Laufe der Jahre hat sich Elişi Evi thematisch weiterentwickelt. Neben klassischen Bildungs- und Beratungsangeboten spielen Projekte zu Gewaltprävention, Anti-Zwangsverheiratung, Selbstbewusstseinsstärkung, sprachlicher und beruflicher Integration eine wichtige Rolle. Auch Netzwerkarbeit mit Bezirks- und feministischen Initiativen ist Teil der Strategie, gesellschaftliche Teilhabe zu fördern. Der Verein ist unteranderem tätig in dem Forum Berliner Migrantinnen Projekte, in dem Berliner Arbeitskreis gegen Zwangsverheiratung, in der Berliner Arbeitsgruppe Schutzmaßnahmen für Migrantinnen und der Fachgruppe Migration bei der Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband.
Weitere Links
Für mehr über die Geschichte von migrantischen selbstorganisierten Frauenprojekten in Berlin:
Zur Migrantinnenbewegung der 1970/80er-Jahre in der Bundesrepublik – Berrin Önler-Sayan – Digitales Deutsches Frauenarchiv (2023)
Auf den Spuren der migrantischen Frauenbewegung in Kreuzberg – Berrin Önler-Sayan – FFBIZ (2025)